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Willkommen

Um was geht es hier?

Die AG Smart Start ist eine Arbeitsgruppe der Eltern der Kastanienbaumgrundschule in Berlin.

Wir möchten, dass Kinder an unserer Schule ein eigenes Smartphone so spät wie möglich bekommen – idealerweise erst dann, wenn sie wirklich bereit dafür sind.

Studien und viele alltägliche Erfahrungen belegen, dass ein vorzeitiger Zugang zu Smartphones und sozialen Medien Stress, Ablenkung und Gruppenzwang verstärken kann.

Aus diesem Grund unterstützen wir Eltern dabei, sich auf gemeinsame und entlastende Absprachen zu einigen, und bieten praktische Hilfe an – sowohl für Klassen, die einen späteren Beginn wünschen, als auch für solche, in denen Smartphones bereits verbreitet sind.

Unser Ziel ist eine ruhigere, gesündere und geschützte Grundschulzeit, in der Kinder möglichst lange unbeschwert lernen, spielen und sich entwickeln können.

Erst Kindheit. Dann Smartphone.

Warum wird empfohlen, Kindern erst mit 14 ein Smartphone zu geben und ihnen erst mit 16 Zugang zu sozialen Plattformen zu gewähren?

Es muss einen Grund geben, warum Spitzenmanager aus dem Silicon Valley ihren eigenen Kindern erst mit 14 oder noch später ein eigenes Smartphone erlauben. In der Tat gibt es viele Gründe, die Eltern kennen sollten.

Viele KinderpsychologInnen, KinderärztInnen und MedienexpertenInnen raten, bis mindestens zum 14. Lebensjahr zu warten, bevor man Kindern ein Smartphone zur Verfügung stellt. Der Grund ist, dass Kinder zum einen besonders schutzbedürftig und zum anderen besonders anfällig für die Verlockungen und Gefahren der digitalen Technologien und des Internets sind.

Smartphones verändern die Kindheit

Die Kindheit verändert sich, sobald ein Kind ein eigenes Smartphone besitzt. Für draußen spielen, kreativ sein, lesen, sich bewegen, Zeit mit Freunden und Familie verbringen oder sich einfach langweilen bleibt weniger Raum, da WhatsApp, Instagram, TikTok, YouTube und Computerspiele deutlich verlockender erscheinen. Verbringt ein Kind täglich Zeit vor dem Bildschirm, gehen wichtige Kindheitserfahrungen verloren.

Aus neurobiologischer Sicht ist jedoch erwiesen, wie entscheidend es für das ganze Leben ist, dass Kinder grundlegende Fähigkeiten erlernen: Sprache, Mimik und Gestik zu verstehen, Gefühle zu erkennen und zu regulieren, motorische und körperliche Erfahrungen zu machen sowie soziale Kompetenzen wie Empathie, Perspektivwechsel, Konfliktlösung und Kommunikation zu entwickeln. Diese Fähigkeiten entstehen vor allem im freien, selbstbestimmten Spiel, in realer Interaktion mit anderen Menschen und in der Auseinandersetzung mit der Umwelt und der Natur.

Smartphones machen süchtig

Es ist erwiesen, dass die Nutzung eines Smartphones die gleichen süchtig machenden Gehirnreaktionen hervorrufen kann wie bei Alkohol-, Drogen- oder Spielsucht. Die WHO hat daher 2019 die Online-Spielsucht (Gaming Disorder) in die Internationale Klassifikation der Krankheiten aufgenommen (ICD 11-WHO). Die WHO erkennt also Online-Spielsucht als eigene Krankheit an, die damit gleich behandelt wird wie z.B. Alkoholabhängigkeit.

Das Suchtpotenzial beschränkt sich jedoch nicht auf digitale Spiele. Auch soziale Medien und andere Apps sind technisch und algorithmisch so gestaltet, dass sie Gewöhnungs- und Abhängigkeitseffekte fördern. Mechanismen wie „Endless Scrolling“ oder FOMO („Fear of Missing Out“, die Angst, etwas zu verpassen) führen dazu, dass Nutzer immer länger und häufiger zum Smartphone greifen.

Die Folge ist, dass das Smartphone zum ständigen Begleiter wird und zunehmend Zeit beansprucht, die für andere wichtige Erfahrungen, soziale Interaktion und Lernen fehlt. Diese Effekte kennen viele Erwachsene aus eigener Erfahrung. Kinder und Jugendliche sind jedoch besonders gefährdet, da sich ihr Gehirn und ihre Impulskontrolle noch in der Entwicklung befinden und sie Reizen deutlich weniger kontrolliert widerstehen können.

Mehr dazu erfahren könnt ihr in dem Hörbuch “Achtung Smartphone” von Manfred Spitzer oder in den → Artikeln und Vorträgen (und → hier) von Tristan Harris, der auch an der sehr empfehlenswerten Netflix Doku “The Social Dilemma” mitgewirkt hat.

Smartphones bedeuten permanente Ablenkung und verstärken Konzentrationsstörungen

Grundschule sowie Unter- und Mittelstufe bilden die Grundlage für den schulischen Erfolg von Kindern. Die ständige Ablenkung durch das Smartphone und das meist betriebene Multitasking (Hausaufgaben machen, nebenbei auf Nachrichten in Social Media antworten, liken, Musik hören, Mails checken) mindern die Aufmerksamkeitsspanne und die Konzentrationsfähigkeit. Immer wenn es klingelt, vibriert oder aufleuchtet, reißt das Smartphone uns aus Gedankengängen, lässt es uns unsere derzeitige Tätigkeit oder Gespräche unterbrechen. Jede dieser Unterbrechungen kostet Zeit. Einmal rausgerissen, fällt es den meisten Menschen schwer, sich wieder auf ihre ursprüngliche Aufgabe zu konzentrieren. Die Fähigkeit, sich auf eine Sache ganz konzentrieren zu können, ist aber eine elementare Voraussetzung für eine erfolgreiche Schullaufbahn, eine abgeschlossene Lehre oder ein erfolgreiches Studium.

Smartphones wirken sich negativ auf schulische Leistungen aus

Studien haben gezeigt, dass die Nutzung von Smartphones sich negativ auf die schulischen Leistungen auswirkt bzw. die schulischen Leistungen sich verbessern, wenn Handies nicht erlaubt sind. In einer großangelegten Studie an einer Londoner Universität haben Wirtschaftswissenschaftler die Noten von 130.000 Schülern ausgewertet, bei denen in einem Zeitraum von zehn Jahren irgendwann ein Handyverbot an der Schule ausgesprochen wurde. Diese Studie hat gezeigt, dass sich die Noten der Schüler nach Start des Smartphoneverbots innerhalb eines Jahres signifikant verbessert haben. Die Studie hat zugleich gezeigt, dass schlechtere Schüler von diesem Effekt besonders stark betroffen waren und ihre Leistungen am meisten verbessern konnten. (Quelle: “Achtung Smartphone” von Manfred Spitzer)

Originalstudie
➡️ Beland & Murphy (2015). Ill Communication: Technology, Distraction & Student Performance

Smartphones und die damit verbundene Nutzung sozialer Medien stören die Entwicklung einer gesunden Identität und eines stabilen Selbstwertgefühls

Das Selbstwertgefühl junger Menschen ist gerade im Alter von 10-14 Jahren sehr verletzbar. Ihre Identität entwickelt sich in dieser Phase. Social Media verleitet sie dazu, sich stark auf ihr Aussehen zu fokussieren und sich mit anderen zu vergleichen. “Likes” und Follower werden zu der Währung der Anerkennung, mit denen das Selbstwertgefühl steht und fällt. Gerade für Mädchen belegen Studien mittlerweile, dass der permanente Vergleich mit anderen ein negatives Selbstbild hervorruft, das auch signifikant mit der Entwicklung von Essstörungen zusammenhängt (Bulimie, Magersucht, etc.). Es ist in diesem Zusammenhang auch nicht verwunderlich, dass junge Menschen bereit sind, immer extremere Photos zu posten und immer extremere Challenges einzugehen, um im Wettstreit um Aufmerksamkeit und Follower vorn zu liegen. Dies geht mitunter so weit, dass sie sich sogar in Lebensgefahr begeben.

Originalstudie
➡️ Bennet et al. (2025). Appearance Pressure From the Media Mediates the Relationship Between Internalized Weight Bias and Eating Disorder Risk for Young Women: A Cross-Sectional Study

Soziale Medien führen zu Dauerstress

Kinder sind emotional nicht in der Lage, schon in so jungen Jahren durch problematische soziale Medien zu navigieren. Das Betrachten von (bearbeiteten) Fotos oder Beiträgen in den sozialen Netzwerken führt oft dazu, dass Jugendliche und Kinder denken, dass sie etwas verpassen (Fomo = Fear of missing out) oder im Vergleich zu ihren Altersgenossen schlecht abschneiden. Das führt zu Dauerstress. Untersuchungen zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Depression umso größer ist, je mehr Zeit man in den sozialen Netzwerken verbringt. Nutzen Kinder die Technologie im Übermaß, führt die ständige Stimulation des Gehirns zu einem Anstieg des Hormons Cortisol. Zu viel Cortisol macht ein Kind unruhig und nervös. Dies kann zu Angststörungen führen. In einem Interview mit dem Guardian gab Apple-Chef Tim Cook unlängst zu Protokoll, dass er seinem eigenen Neffen den Zugang zu sozialen Medien verbiete.

Smartphones stören Beziehungen und hemmen das Erlernen von sozialem Verhalten

Viele Eltern bedauern nachträglich, dass sie ihrem Kind ein Smartphone erlaubt haben, weil sie erleben, wie das Smartphone ihre Eltern-Kind-Beziehung stört. Kinder sind oft unaufmerksam aufgrund der ständigen Ablenkung, die das Gerät mit sich bringt. Echte persönliche Beziehungen verkümmern, da Kinder ihre Zeit und Energie stattdessen in ihre Online-Freundschaften investieren. In vielen Familien ist das Smartphone permanenter Auslöser von Streit. Studien haben gezeigt, dass die Nutzung sozialer Medien bei Kindern und Jugendlichen das Erlernen von sozialem Verhalten negativ beeinflussen und zu weniger Empathiefähigkeit führen. Zugleich konnte man in Studien zeigen, dass die Zufriedenheit mit den eigenen sozialen Beziehungen abnimmt. (Quelle: “Achtung Smartphone” von Manfred Spitzer)

Der Jugendschutz versagt im Internet

jugendschutz.net, das gemeinsame Kompetenzzentrum von Bund und Ländern für den Schutz von Kindern und Jugendlichen im Internet, stellte in seinem 2019 veröffentlichten Bericht fest, dass in populären und von Kindern genutzten Angeboten umfassende Sicherheitskonzepte fehlen. Anbieter führen keine wirksamen Altersprüfungen durch. Meldemöglichkeiten bei Verstößen sind umständlich zu handhaben und ineffektiv, und die Betreiber (oft mit Geschäftssitz im Ausland) entfernen jugendgefährdende oder jugendbeeinträchtigende Inhalte selbst bei entsprechenden Meldungen häufig nicht. Kinder-Accounts mit vorkonfigurierten Schutzeinstellungen fehlen gänzlich. (https://www.jugendschutz.net/fileadmin/daten/publikationen/lageberichte/bericht_2019_kinder_im_netz.pdf).

Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey forderte daher in diesem Zusammenhang:

“Kinder müssen im Netz besser geschützt werden. Das zeigt der Bericht von jugendschutz.net sehr deutlich. Es kann nicht sein, dass Anbieter keine Sicherheitsvorkehrungen treffen und Kinder dann schutzlos den Gefahren und Bedrohungen ausgesetzt sind, die es im Internet gibt - seien es sexuelle Belästigungen, Drohungen, Einschüchterungen oder finanzielle Abzocke.“

Smartphones setzen Kinder sexuellen Inhalten aus

Laut „Innocence in Danger e.V.“ (einer weltweiten Bewegung gegen sexuellen Missbrauch von Kindern, insbesondere die Verbreitung von Kinderpornographie durch die neuen Medien) hat fast jeder zehnte Jugendliche heutzutage bereits ungewollt pornographische oder gewaltvolle Bilder bzw. Filme zugeschickt bekommen. Dies geschieht meist über private Nachrichten in Chats, Messengern und Communities. Eltern erfahren hiervon nur selten etwas. Darüberhinaus ist Pornographie im Internet anonym für jeden jederzeit erreichbar. Kinder sehen sich aber nicht nur sexuelle Inhalte mit ihren Handys an, sondern erschaffen sie auch. Jüngste Medienberichte zeigen, dass KI-Tools wie Grok es ermöglichen, harmlose Bilder von Kindern in Nacktbilder zu verwandeln, Klageverfahren und Untersuchungen der EU-Kommission laufen. Immer mehr Kinder betreiben «Sexting» (Senden von sexuellen Textnachrichten und/oder expliziten Bildern).  

Smartphones ermöglichen Cybergrooming

Von Cybergrooming spricht man, wenn Erwachsene versuchen, Minderjährige dazu zu bewegen, sexuelle Handlungen an sich oder anderen vor der Webcam auszuführen oder Nacktbilder von sich zu verschicken, oder auch reale Treffen herbeizuführen. Nach Angaben des Unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs haben mehr als 15% der Kinder bis 14 Jahre im Internet schon sexuelle Belästigung erfahren. Sexuelle Übergriffe erfolgen dabei meist über private Nachrichten in Chats, Messengern oder Communities. Der Erstkontakt wird oft über Online-Spiele oder Social Media hergestellt. Opfern von sexueller Belästigung fällt es meist schwer, sich zu offenbaren. Daher erfahren Eltern oft viel zu spät oder garnicht, was passiert ist.

Smartphones ermöglichen Zugang zu jugendgefährdenden Inhalten

Das Internet ist voll von jugendgefährdenden Inhalten, zu denen Kinder und Jugendliche problemlos, kostenlos und anonym Zugang haben. Angefangen von Foren und Communities, auf denen Essstörungen, Selbstverletzungen (z.B. Ritzen) oder Suizid propagiert und idealisiert werden, über Angebote, die Drogen verharmlosen und „Legal Highs“ bewerben oder anbieten, bis hin zu Foren, die Islamismus oder Rechtsextremismus propagieren. Solche Inhalte können insbesondere Kinder und Jugendliche, die sich für diese Themen bereits interessieren, in ihrem Verhalten bestärken und zur Nachahmung anregen. Immer wieder geraten auch Challenges (z.B. auf TikTok), die Kinder in Lebensgefahr bringen, in die Schlagzeilen. 2021 starben bereits 2 Kinder (10 und 12 Jahre alt ) aufgrund von sog. Blackout Challenges.

Smartphones setzten Kinder dem Risiko von Cyber-Mobbing aus

Mobbing ist nicht mehr auf den Schulhof oder die Umkleide beschränkt. In allen Diensten, die Kommunikation ermöglichen, sind sie an der Tagesordnung. Das gebräuchlichste Medium für Cyber-Mobbing ist dabei das Smartphone. Fotos und Videos sind schnell aufgenommen und noch schneller im Internet an einen unüberschaubaren Empfängerkreis verbreitet. Einmal im Internet veröffentlicht, lassen sich diffamierende Inhalte kaum mehr kontrollieren oder löschen. Nur jedes zehnte Opfer informiert einen Elternteil oder einen vertrauenswürdigen Erwachsenen über den Übergriff.

Smartphones gefährden Kinder im Straßenverkehr

Wenn unsere Kinder im Straßenverkehr auf ihr Smartphone starren, statt auf den Verkehr zu achten, gefährden sie ihr Leben. Dies betrifft Fußgänger ebenso wie Radfahrer. Dennoch kann man täglich Kinder und Jugendliche beobachten, die einhändig Fahrrad fahren, während sie mit ihrem Handy beschäftigt sind oder die als “Smombies” Straßen überqueren und sich selbst und andere damit gefährden. 

Führungskräfte der Technologiebranche verbieten Smartphones für ihre Kinder

Entsprechend einem Artikel in der “New York Times” warten viele führende Technologiemanager, bis ihr Kind 14 ist, bevor sie ihm erlauben, ein Smartphone zu haben. Diese Teenager können zwar telefonieren und texten, erhalten aber erst später einen Internetzugang. Im Jahre 2019 hat sich eine Gruppe führender Mitarbeiter und Investoren von Facebook und Google in den USA zusammengetan, um vor den Gefahren zu warnen, die von den Technologiekonzernen für unsere Kinder und unsere gesamte Gesellschaft ausgehen. Wenn führende Köpfe der digitalen Riesen wie Google, eBay, Apple und Yahoo den Einsatz des Smartphones hinausschieben, sollte uns das nicht zu denken geben? Führungskräfte, die vom Erfolg der Technologie profitieren, schützen ihre eigenen Kinder vor dem Smartphone. Sollten wir nicht dasselbe tun? 

Quellen und weiterführende Lektüre

  • www.smarterstartab14.de
  • Manfred Spitzer, Die Smartphone-Epidemie
  • Manfred Spitzer, Achtung Smartphone
  • Jonathan Haidt, The Anxious Generation
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